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ADHS in der Perimenopause – neue Herausforderungen im hormonellen Wandel
Neue Daten bestätigen: Frauen mit ADHS sind in den Wechseljahren besonders belastet
Die Annahme, dass die Wechseljahre für Frauen mit ADHS eine besonders herausfordernde Lebensphase darstellen könnten, basierte bislang vor allem auf klinischen Beobachtungen und den Berichten betroffener Patientinnen. Eine aktuelle isländische Bevölkerungsstudie liefert nun erstmals systematische Daten, in denen Frauen mit und ohne ADHS miteinander verglichen wurden und die diesen Eindruck eindrücklich untermauern.
Was die Studie zeigt
Jakobsdóttir Smári et al. (2025, European Psychiatry) werteten im Rahmen einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie Daten von über 5.000 Frauen im Alter von 35 bis 55 Jahren mit und ohne ADHS aus und verglichen Häufigkeit und Schwere perimenopausaler Symptome zwischen den Gruppen. Frauen mit ADHS hatten in allen untersuchten Bereichen eine deutlich höhere Symptomlast. Sie berichteten häufiger über depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Erschöpfung und Angst. Auf körperlicher Ebene beschrieben sie vermehrt Hitzewallungen, Herzrasen, Schlafprobleme, Gelenk- und Muskelbeschwerden sowie Kopfschmerzen. Auch urogenitale Symptome wie sexuelle Beschwerden, Scheidentrockenheit und Blasenprobleme waren häufiger und schwerer ausgeprägt.
Besonders auffällig war der Befund zur zeitlichen Verteilung: Frauen mit ADHS erreichten ihren Beschwerdegipfel bereits im Alter von 35 bis 39 Jahren, während er bei Frauen ohne ADHS erst zwischen 45 und 49 Jahren auftrat. Ob Frauen mit ADHS tatsächlich früher in die Perimenopause eintreten, lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten. Hinweise darauf liefern jedoch genomweite Studien, die einen Zusammenhang zwischen ADHS und einem früheren Menopausealter nahelegen. Die Mechanismen dahinter sind bislang ungeklärt.
Mögliche Erklärungen
Es wird diskutiert, dass die bei ADHS ohnehin dysregulierten dopaminergen Systeme durch den Östrogenabfall in der Perimenopause zusätzlich belastet werden könnten. Hinzu kommen Begleitfaktoren, die mit ADHS häufig assoziiert sind und ihrerseits das Risiko für perimenopausale Symptome erhöhen können, darunter Schlafstörungen und psychische Begleiterkrankungen. Kausale Schlussfolgerungen lassen die Daten jedoch nicht zu.
Was das für die Praxis bedeutet
Diese Befunde unterstreichen, wie wichtig es ist, die Perimenopause als klinisch relevante Lebensphase für Frauen mit ADHS ernst zu nehmen, und das möglicherweise schon ab Mitte 30. In unserem MVZ berücksichtigen wir diese Zusammenhänge in der Behandlungsplanung, passen die Medikation bei Bedarf an veränderte hormonelle Bedingungen an und beziehen Schlaf, Stimmung und körperliches Wohlbefinden gezielt in die Diagnostik und Therapie mit ein.
Jakobsdóttir Smári U et al. (2025). Perimenopausal symptoms in women with and without ADHD: A population-based cohort study. European Psychiatry, 68(1), e133.