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ADHS und Schwangerschaft – eine Phase voller Herausforderungen

Was Frauen mit ADHS in der Schwangerschaft und nach der Geburt wissen sollten

Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt sind für viele Frauen ohnehin intensiv und herausfordernd. Für Frauen mit ADHS können diese Phasen mit besonderen Risiken verbunden sein.

Schwangerschaft: kaum untersucht, aber hormonell bedeutsam

Eine der wenigen verfügbaren Studien untersuchte, wie sich Veränderungen der Medikation auf ADHS-Symptome während der Schwangerschaft auswirken. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass sich die Symptomlast zwischen Frauen, die ihre Medikation beibehielten, reduzierten oder ganz absetzten, kaum unterschied. Dies könnte darauf hinweisen, dass der veränderte Hormonhaushalt der Schwangerschaft, geprägt durch hohe Östrogenspiegel, einen positiven Einfluss auf das dopaminerge System und damit auf ADHS-Symptome haben könnte. Gesicherte Schlussfolgerungen lassen diese Daten jedoch nicht zu.

Zudem gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, darunter Präeklampsie, Frühgeburten und ungeplante Kaiserschnitte. Auch diese Befunde sind noch nicht ausreichend belegt.

Nach der Geburt: erhöhtes Risiko für Depression und Angst

Die Zeit nach der Geburt ist durch einen raschen und deutlichen Abfall von Östrogen gekennzeichnet, was bei Frauen mit ADHS, deren dopaminerges System ohnehin vulnerabel ist, besondere Auswirkungen haben könnte. Studien deuten darauf hin, dass Mütter mit ADHS ein deutlich erhöhtes Risiko für postpartale Depressionen und Angststörungen haben, verglichen mit Müttern ohne ADHS. Kinder von Müttern mit peripartaler Depression haben ihrerseits ein erhöhtes Risiko für ADHS-Symptome, ein Hinweis auf mögliche intergenerationale Zusammenhänge, der weiterer Forschung bedarf.

Was ist mit der Medikation?

Die Frage nach der Medikation in Schwangerschaft und Stillzeit ist komplex und muss immer individuell abgewogen werden. Beide gängigen ADHS-Medikamente, Methylphenidat und Lisdexamfetamin, sind laut der unabhängigen Datenbank Embryotox der Charité als Substanzen eingestuft, zu denen die Studienlage noch unvollständig oder widersprüchlich ist. Für beide liegen jedoch inzwischen Daten aus mehreren tausend dokumentierten Schwangerschaftsverläufen vor. Jede Entscheidung sollte in engem Austausch mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten getroffen werden.

Was das für die Praxis bedeutet

Frauen mit ADHS, die schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen, verdienen eine besonders aufmerksame und individualisierte Begleitung, psychiatrisch, gynäkologisch und in der Nachsorge. In unserem MVZ beraten wir Patientinnen in dieser Lebensphase sorgfältig und in engem Austausch mit anderen Fachbereichen. Eine ADHS-Diagnose bedeutet nicht, dass Schwangerschaft und Mutterschaft nicht gut gelingen können, aber sie bedeutet, dass besondere Unterstützung besonders wichtig ist.

Kooij JJS et al.. Research advances and future directions in female ADHD: the lifelong interplay of hormonal fluctuations with mood, cognition, and disease. Front Glob Womens Health. 2025 Jul 7;6:1613628. doi: 10.3389/fgwh.2025.1613628. PMID: 40692967; PMCID: PMC12277363.

Osianlis E, Thomas EHX, Jenkins LM, Gurvich C. ADHD and Sex Hormones in Females: A Systematic Review. J Atten Disord. 2025 Jul;29(9):706-723. doi: 10.1177/10870547251332319. Epub 2025 Apr 18. PMID: 40251875; PMCID: PMC12145478.

Aktuelle Informationen bietet Embryotox unter www.embryotox.de.